Donnerstag, 15. Oktober 2015

Zwei Schwestern und der Tod: Bienensterben

Bienensterben (orig. The Death of Bees) 
von Lisa O’Donnell 
2014 DuMont Buchverlag 
ISBN 978-3-8321-6292-4

Marnie und Nelly hatten es bisher nicht leicht im Leben, ihre Eltern Gene und Izzy sind arbeitslos und interessieren sich kaum für ihre beiden Teenagertöchter. Aber an dem Heiligabend, an dem Marnie fünfzehn wird, müssen die beiden Mädchen noch Schlimmeres ertragen: Sie vergraben ihre gerade erst verstorbenen Eltern im Garten. Keine der beiden ist sich sicher, wie ihr drogenabhängiger Vater Gene tatsächlich ums Leben kam - einig sind sie sich aber, dass niemand erfahren darf, dass Izzy und Gene tot sind. Marnie könnte sich sonst nicht mehr um die etwas spezielle Nelly kümmern, da das Sozialamt sie sicher trennen würde. Mit großen und kleinen Lügen, Heimlichkeiten und Vertuschungsaktionen versuchen sie vom Verschwinden ihrer rücksichtslosen Eltern abzulenken. Aber Lennie, ihr in die Jahre gekommener Nachbar, bemerkt das plötzliche Verschwinden seiner unangenehmen Nachbarn sofort. Während Marnie versucht, sich und ihre hochbegabte Schwester Nelly mit dem bisschen Geld, das sie als Gelegenheitsdealerin verdient, über die Runden zu bringen, freundet sich Lennie mit Nelly an. Mehr und mehr schließt er beide Mädchen ins Herz und versucht ihnen die Familie zu ersetzen, die sie nie hatten - nichtsahnend, dass Gene und Izzy sich nicht in die Türkei auf und davon gemacht haben, sondern langsam unter den frisch gepflanzten Lavendelpflanzen verwesen …

Donnerstag, 8. Oktober 2015

Drastisch: Eigentlich müssten wir tanzen

Eigentlich müssten wir tanzen 
von Heinz Helle 
2015 Suhrkamp Verlag 
ISBN 978-3-518-42493-3

Es sollte so werden wie jedes Mal, ihr Wochenende auf der Berghütte im Tiroler Alpenvorland. Nicht ganz so lustig zwar, nicht so wie die Jahre zuvor, aber doch vertraut. Die fünf jungen Männer, fünf Kindheitsfreunde, könnten sich nicht mehr irren: Als sie nach dem erwartet unspektakulären Wochenende in das Dorf am Fuß des Berges hinabsteigen und in ihre Leben zurückkehren wollen, müssen sie entsetzt feststellen, dass nichts mehr so ist, wie sie es kannten. In der kurzen Zeit ihrer Abwesenheit ist von der vertrauten Zivilisation nichts mehr geblieben. Das Dorf ist verlassen, abgebrannt und geplündert. Nichts weist darauf hin, was geschehen sein könnte - nur eins ist klar: die Bewohner sind tot oder haben das Dorf hinter sich gelassen. So beschließen die fünf in ihrer Sprachlosigkeit, sich zu Fuß auf den Weg zu machen. Zu einem anderen Dorf, einer Stadt, nach Hause, irgendwohin. Denn vielleicht ist es dort anders, vielleicht sind dort noch Menschen, Zivilisation, Leben. Sie sind allein, umgeben von Zerstörung, Leere und Tod. 
Wie weit müssen sie gehen, um an ein Ziel zu gelangen? Gibt es überhaupt noch so etwas wie ein Ziel in dieser postapokalyptischen Welt?

Donnerstag, 1. Oktober 2015

Ein Leben am Rande des Abgrunds: Charlotte

Charlotte (orig. Charlotte) 
von David Foenkinos 
2015 DVA 
ISBN 978-3-421-04708-3

„C‘est toute ma vie“ mit diesen Worten übergibt Charlotte Salomon ihrem Arzt Moridis einen Koffer voller Bilder, einen Koffer, den dieser lange ungeöffnet lassen wird. „Leben? Oder Theater?“, der Inhalt des Koffers, ist Charlottes Lebenswerk als Malerin, es erzählt von ihrer Kindheit in Berlin, dem frühen Verlust der Mutter und dem stets durch seine Arbeit völlig eingenommenen Vater, ihrer großen Liebe und ihrer Flucht vor den Nazis nach Südfrankreich. 
Als Kind ist Charlotte einsam und in sich gekehrt, von den wahren Umständen des Todes ihrer Mutter soll sie nichts erfahren. Man will sie schützen vor der Familienkrankheit, Depressionen und Selbstmorde häufen sich unter ihren Verwandten, zuletzt Charlottes Mutter. Erst durch die Heirat ihres Vaters mit einer berühmten Sängerin hält wieder Freude und Hoffnung Einzug im Leben von Charlotte und ihrem Vater Albert. Paula, von Charlotte vergöttert, hat als Sängerin gute Beziehungen zu den Größen des gesellschaftlichen und kulturellen Lebens. Charlotte selbst entdeckt ihre Berufung zur Kunst und schafft es entgegen aller Widrigkeiten an der Berliner Staatsschule für Freie und Angewandte Kunst aufgenommen zu werden. Ein Mann tritt in ihr Leben, Alfred Wolfsohn. Aber der Hass in Deutschland wird immer stärker und Charlottes Leben gleicht mehr und mehr einem Gefängnis.