Donnerstag, 31. Dezember 2015

Der Boxer-Poet: König der verkrachten Existenzen

König der verkrachten Existenzen 
von Arthur Cravan 
2015 Edition Nautilus 
ISBN 978-3-89401-814-6

Eine kleine Zeitschrift namens „Maintenant“, erschienen von 1912 bis 1915, nur fünf Nummern, ein Fragment mit dem Titel „Elefantenmattigkeit“ und Briefe an diverse Adressaten sind die schriftstellerische Vermächtnis Arthur Cravans. Ein Mann, der sich selbst rühmte, Hochstapler, Seemann im Pazifik, Mauleseltreiber, Hoteldieb, Neffe von Oscar Wilde, Ex-Boxchampion für Frankreich, Enkel des Kanzlers der Königin, Einbrecher und noch einiges mehr zu sein. Ein mittelloser Poet, Dandy erster Stunde, ein Vertreter des Dadaismus, lange bevor es Dada gab. In den fünf Ausgaben von „Maintenant“ tobt er sich literarisch, kritisch und poetisch aus, nichts ist zu gering und nichts zu heilig. Die kleine Zeitschrift verfasst er ganz allein, ist zugleich Herausgeber und Redakteur jedes einzelnen Artikels. 
Was jedoch aus Arthur Cravan, wie sich Fabian Avenarius Lloyd nannte, nach 1918 wird, werden wir wohl niemals genau erfahren. Ein verrücktes, wildes Leben an der äußersten Grenze des Künstlertums kulminiert in seinem mysteriösen Verschwinden.

Donnerstag, 17. Dezember 2015

Leise und doch so kraftvoll: Takeshis Haut

Takeshis Haut 
von Lucy Fricke 
2014 Rowohlt Verlag 
ISBN 978-3-498-02016-3

Frida hat ein Ohr für Geräusche, sie sind ihr Beruf. Jedes Geräusch weiß sie so gut nachzuahmen, nur das Knacken ihrer eigenen Hüfte sollte ihrer Meinung nach aus der Tonspur ihres Lebens herausgeschnitten werden. Ihre Beziehung mit Robert verläuft schleppend, stockend sogar, und als Frida von dem jungen, aufstreben Filmemacher Jonas ein Angebot bekommt, hält sie nichts zurück. 
Frida soll den gesamten Ton seines verstörenden, endzeitlichen Films nachliefern, die Originalaufnahmen sind mit dem Tonspezialisten verloren gegangen. An sich schon eine große Aufgabe - doch der Film spielt auch noch in Kyoto, in Japan. Dort angekommen sieht sich Frida mit einem Störgeräusch konfrontiert, das jede ihrer Aufnahmen nutzlos macht. Niemand außer ihr scheint das Geräusch wahrzunehmen, selbst Takeshi, ihr einheimischer Begleiter, nicht. Ein neuer Rekorder lässt zwar das Störgeräusch verstummen, Fridas Unruhe und das Gefühl der Bedrohung kann er jedoch nicht zum Schweigen bringen. Gerade als sie sich mehr und mehr in Takeshi und seine ruhige Unaufgeregtheit, den Kitzel des Fremden, zu verlieben beginnt, wird das Störgeräusch grausame Realität: Ein verheerendes Erdbeben erschüttert Japan ...