Sonntag, 9. April 2017

Zarte Bande: Wir beide wussten, es war was passiert

Wir beide wussten, es war was passiert (orig. The Simple Gift)
von Steven Herrick
2016 Thienemann Verlag
ISBN 978-3-522-20219-0

Der sechzehnjährige Billy läuft von zuhause weg. Seinen treuen Hund lässt er zurück, weil er sich im Klaren darüber ist, dass er sie nicht beide durchbringen kann. Nur weg will er – am besten so weit wie möglich von seinem Vater und dem trostlosen Vorort. Er ist sechzehn und obdachlos. Keine grandiose Bilanz. Aber immerhin ist er jetzt frei und in einem heruntergekommenen Bahnwaggon zu schlafen ist immer noch eine bessere Aussicht, als sein bisheriges Leben ihm bot.
Allein ist er aber nicht bei den leerstehenden Bahnwaggons: Sein ebenfalls obdachloser Nachbar Old Bill lebt dort vereinsamt und hegt zunächst nicht viel Sympathie für seinen jungen Namensvetter. Aber Billy lässt sich nicht abschrecken von dessen schroffer, abweisender Art.
Eine weitere unerwartete Begegnung erwartet Billy: Caitlin, die er in einem Fastfood Restaurant trifft und die ihn nicht mehr loslässt.

Sonntag, 26. März 2017

Impressionen von der Leipziger Buchmesser 2017

 
Neues Jahr, neue Messe! Leipzig ist jedes Jahr ein kleines bisschen mehr meine Lieblings-Buchmesse, sofern es so etwas überhaupt geben kann. Zwei Messetage haben mir auch dieses Jahr wieder sehr viel Freude, schöne Begegnungen und literarische Einblicke möglich gemacht.

Sonntag, 12. März 2017

Erwartungen enttäuscht: Familie der geflügelten Tiger

Familie der geflügelten Tiger
von Paula Fürstenberg
2016 Kiepenheuer & Witsch
ISBN 978-3-462-04875-9

Johanna sammelte schon als Kind Landkarten. Das abgebildete Gebiet spielt dabei weniger eine Rolle, ihr geht es mehr um die Vernetzungen, Wege, die historischen Veränderungen, die sich in Stadtbildern niederschlagen. Sie will beruflich etwas Handfestes machen, da verbindet sich Menschen von A nach B zu transportieren wunderbar mit ihrer Leidenschaft für Karten. Ihre liebste Karte ist und bleibt die Ebstorfer Weltkarte, randvoll mit Fabelwesen und unentdeckten Landstrichen. Auch in Johannas Leben existiert solch ein weißer Fleck: ihr Vater. Laut ihrer Mutter hat er ihre kleine Familie kurz vor dem Mauerfall verlassen. Als er nun Jahre später aus heiterem Himmel anruft, weiß Johanna nicht, was sie davon halten soll. Soll sie zurückrufen? Will sie diesen Vater, diesen Jens, überhaupt kennenlernen, nachdem er ihre Jugend und Kindheit über nie da war? Schließlich ringt sie sich zu einem Anruf durch und muss erkennen, dass selbst das wenige, was sie über ihren Vater zu wissen glaubte, ins Wanken gerät. Ungewissheit macht sich breit. Hat er sie damals wirklich freiwillig verlassen oder wurde er von der Stasi verhaftet – welche der Geschichten zu seinem plötzlichen Verschwinden ist wahr und welche Wunschdenken?

Donnerstag, 9. März 2017

The Versatile Blogger Award


 
Es gibt so viele Möglichkeiten, worüber man auf einem Blog schreiben kann. Bei mir sind es ja meistens Rezensionen. Oder Vorschau-Freuden. Plus das gelegentliche, leidlich künstlerische DIY. Booktags und monatliche challenges kennt man auch von Instagram – aber dieser Post ist das erste Mal, dass ich auch hier auf dem Blog selbst auf etwas derartiges eingehe. Wie könnte ich auch nicht, nachdem mich die zauberhafte Mia von paper and poetry blog , auf dem sie ihre neugierig machenden Rezensionen teilt, für den Versatile Blogger Award nominiert hat :) Vielen Dank, liebe Mia!

Sonntag, 5. März 2017

Von Helden und Hexen: All the strangest things are true.

All the strangest things are true. (orig. Wink, Poppy, Midnight)
von April Genevieve Tucholke
2017 Thienemann Verlag
ISBN 978-3-522-20232-9

Midnight will Poppy. Poppy will aber Leaf. Leafs Schwester Wink, von der ebenso schönen wie grausamen Poppy nur Wildviech genannt, mag Midnight. Als Midnight nach einem Jahr klar wird, dass Poppy nur mit ihm spielt, sie seine Gefühle nicht erwidert und sich im Grunde nicht mal wirklich für ihn interessiert, versucht er sich ihrem Bann zu entziehen. Das hingegen gefällt Poppy gar nicht, deren Herz, seitdem sie von Leaf abgelehnt wurde, verschlossen ist. Sie kann nicht zulassen, dass sich jemand – und sei es nur Midnight, den sie insgeheim und auch offen für seine Gutherzigkeit und Emotionalität verachtet – von ihr abwendet. Poppy braucht die Aufmerksamkeit, die Verehrung und das Begehren der anderen. Wink hingegen ist naturverbunden, verträumt und liebt die Geschichten, die sie ihren (Adoptiv-)Geschwistern vorliest. Sie kann sich verlieren in Büchern über tapfere Helden und Monster, die es zu besiegen gilt. Vielleicht ist Poppy in ihrer Grausamkeit auch solch ein Monster. Aber wenn Poppy das Ungeheuer dieser Geschichte ist und Midnight der strahlende Ritter, welche ist dann Winks Rolle in diesem Märchen?

Donnerstag, 9. Februar 2017

Ein Leben für die Kunst: Das Viertel der Maler

Das Viertel der Maler
von Michel Matveev
2016 Weidle Verlag
ISBN 978-3-938803-76-9

Ein Maler in Paris. Farbe, Form, Komposition, Textur. Jeden Tag dieselbe Routine, eingekleidet in das Elend, das mit dem Künstlerdasein unter Hunderten anderen, ebenso kunstfertigen und möglicherweise ebenso talentierten Künstlern, einhergeht. Man lebt gemeinsam und dabei doch allein, denn die anderen Künstler sind Chimären – Freunde, Konkurrenten, Rivalen. Obsessiver Arbeitsdrang und die geringe Hoffnung, irgendwann doch noch entdeckt zu werden, sind es, die den Stilllebenmaler weitermachen lassen. Aufgebrochen wird dieses triste Leben nur durch die Besuche in den Cafés am Montparnass, in denen sich die Künstler tummeln, meist ohne sich einen einzigen Kaffee leisten zu können. Man sucht nach Käufern, nach Galeristen, nach Frauen, die das eigene Elend kurzfristig ertragbar machen. Doch wenn man sie schließlich findet, diese prekäre Anerkennung, auf die man so lange gewartet hatte, dann dreht es sich alsbald weiter, das Rad der Fortuna – und es wird klar, wie flüchtig der Ruhm, der Erfolg und auch die Liebe ist.

Sonntag, 29. Januar 2017

Familiendrama par excellence: Das Unglück anderer Leute

Das Unglück anderer Leute
von Nele Pollatschek
2016 Galiani Berlin
ISBN 978-3-86971-137-9

Thiene will doch nur ihren Abschluss in Oxford gebührend entgegennehmen. Aber wie soll sie das machen, wenn sich ein Teil ihrer verrückten Patchwork-Verwandtschaft dafür angekündigt hat? Der schwule Vater, die grantige Großmutter und zu allem auch noch ihre Mutter, die ihren Willen und ihren Helferkomplex gegen alle Widerstände durchsetzt - auch gegen Thienes. So will Frau Mama auch jetzt am Flughafen abgeholt werden, was bei den anderen dreien auf nur wenig Verständnis und dafür auf umso mehr Wutpotenzial trifft. Ist es denn zu viel verlangt, dass die exzentrische Mutter sich wenigstens zu diesem Anlass, der ganz allein Thiene gehören sollte, zurücknimmt? Scheinbar schon, denn durch einen waghalsigen Spaziergang auf der Autobahn schafft sie es doch tatsächlich bei einem Unfall zu sterben. Thienes Abschluss ist überschattet vom unnötigen Tod der Mutter, die es selbst im Tod geschafft hat, sich erfolgreich in den Mittelpunkt zu drängen.

Mittwoch, 4. Januar 2017

Vorschau-Freude Frühjahr 2017

 
Viel zu schnell ging das Jahr 2016 vorbei – wegen eines neuen Jobs, gesundheitlicher Probleme, Unikram und einem Großprojekt, an dem ich nun schon etwas länger tüftle und das hoffentlich bald hier präsentiert werden kann, habe ich weniger Rezensionen verfasst als letztes Jahr. Aber die vielversprechenden Frühjahrsvorschauen der Verlage haben mich wieder sehr neugierig auf viele neue Bücher gemacht.