Die 9. BuchSaiten Blogparade


Die BuchSaiten Blogparade (auch kurz #BSBP) ist nun schon zum zweiten Mal bei Petzi von Die Liebe zu den Büchern zu Gast, nachdem sie von Katrin von BuchSaiten ins Leben gerufen wurde und zuvor auf ihrem Blog stattfand.
Viele Blogger beantworten dabei auf ihren eigenen Blogs die Fragen der #BSBP17 und lernen sich so gegenseitig kennen und stellen sich, ihre Blogs und ihr vorangegangenes Lesejahr vor.
Petzi von Die Liebe zu den Büchern postet dann auf ihrem schönen Blog einen Beitrag, in dem sie alle Teilnehmer verlinkt – so dass man sich auch gegenseitig finden und kennenlernen kann.


Welches war das Buch in diesem Jahr, von dem ich mir wenig versprochen habe, das mich dann aber positiv überrascht hat?
 

Das war eindeutig „The Tenant of Wildfell Hall“ von Anne Brontë. Die Werke ihrer beiden Schwestern hatte ich bereits alle gelesen, wobei ich Emilys „Wuthering Heights“ als stärker als jeden von Charlottes Romanen empfunden hatte, die mich zudem noch durch ihre extreme Moralisierung abstießen. Der Bildung wegen hatte ich sie dennoch alle gelesen, nur die beiden Romane der jüngsten Schwester waren noch ungelesen. Zwischen den beiden Extremen von Emily und Charlotte ging Anne für mich aber durchaus nicht farblos unter, ganz im Gegenteil, ich habe es genossen, ihrer Erzählung zu folgen. Trotz des etwas plumperen Handgriffs der Binnenhandlung in Tagebuchform, welche dann die vergangenen Geschehnisse bis hin zur Rahmenhandlung (jene in Briefform, wie auch in Annes zweitem Roman, „Agnes Grey“, den ich auch sehr gerne gelesen habe) wiedergeben. Die Charaktere waren komplexer, fehlerhafter und dadurch menschlicher als die ihrer Schwester Charlotte, deren Frauenbild mich immer wieder zum Schaudern bringt. Im Gegensatz zu "Wuthering Heights" thematisiert sie sich aber dennoch nicht ausschließlich die menschlichen Abgründe, von denen ihr Roman zwar handelt, welche aber nicht in dessen Zentrum stehen. Trotz ihren Fehlern, oder gerade wegen ihnen, sind die Figuren in „The Tenant of Wildfell Hall“ unglaublich plastisch und sympathisch. Die Darstellung einer verheirateten Frau, die auch im 19. Jahrhundert ihrem eigenen Gewissen folgt und nicht den Konventionen der Zeit und ihres Standes fand ich ungemein gelungen. Somit hat sich Anne zu meiner Lieblings-Brontë gemausert, ganz still und heimlich, obwohl sie doch sonst immer im Schatten ihrer beiden Schwestern steht.


Welches war das Buch in diesem Jahr, von dem ich mir viel versprochen habe, das mich dann aber negativ überrascht hat?
 

Negativ hat mich dieses Jahr Neil Gaiman überrascht. Nachdem ich „The Ocean at the End of the Lane“ so geliebt hatte, wollte ich 2017 – nach einer eher lauen Erfahrung mit seinem „Graveyard Book“ – endlich mehr von Gaiman lesen. Leider entpuppte sich das aber als eine Fehlentscheidung: Weder „American Gods“ entsprach meinen Erwartungen, noch konnte mich „Neverwhere“ von Gaimans Genie überzeugen. Besonders letzteres erschreckte und langweilte mich zugleich durch seine stereotypen Figuren, seinen vorhersehbaren Plot und den Mangel an Kreativität, dem er all diesem doch vielversprechenden Material angedeihen ließ (für noch ausführlicheres Genörgel geht es hier zur vollständigen Rezension). Gaiman hat sich damit als kein Autor für mich erwiesen und ich werde sicher in absehbarer Zeit keines seiner Werke mehr lesen.


Welches war meine persönliche Autoren-Neuentdeckung dieses Jahres?
 

Jan Snela!! Dieser Debütant hat mich mit seinem Kurzgeschichtenband „Milchgesicht. Ein Bestiarium der Liebe“ direkt in Herz und Hirn getroffen. Sprache zum dahinschmelzen. Wortwitz, Absurdität, Prosa, die doch Lyrik ist, kurz: ein literarischer Glücksgriff, der einen anspruchsvollen, vor Wahnwitz nicht zurückschreckenden Leser nur überaus glücklich machen kann. Wenn ich aus diesem Jahr nur ein Buch wählen müsste, das ich anderen ans Herz legen kann, dann wäre es diese geniale Kurzgeschichtensammlung, welche ganz, ganz viel Lust auf noch viel mehr macht. Nein, das ist beileibe keine Übertreibung, dieses Schmuckstück hat es verdient, so überaus gelobt zu werden.


Welches war mein Lieblingscover?
 
 
Das ist immer eine ganz schwierige Frage, da es jedes halbe Jahr so viele wunderschöne und verschiedene Cover zu bestaunen gibt. Aber 2017 war mein Lieblingscover das von Thomas Lehrs für die Shortlist des Deutschen Buchpreises 2017 nominierten Romans „Schlafende Sonne“. Es ist ein eher reduziertes Cover, so ganz in grisaille, beziehungsweise schwarz-weiß, mit der dynamischen aufsteigenden Anordnung des Titels. Aber gerade diese stilistische Reduktion, finde ich, macht auch den Charme dieses Covers aus und betont dessen Dynamik, welche so im Einklang ist mit dem Stil des Romans.


Welches Buch will ich im Neuen Jahr 2018 unbedingt lesen?
 

Auch das ist eine ganz, ganz schwierige Frage, da sich bei mir eine etwas überbordende Menge an ungelesener Literatur angehäuft hat. Bookaholic und so. Aber als eines der ersten werde ich in diesem neuen Jahr Han Kangs „Human Acts“ lesen, weil ich von ihrem zweiten, mit dem Man Booker Prize prämierten Roman „The Vegetarian“ absolut hingerissen war und mir ähnlich Gutes von „Human Acts“ (dt. „Menschenwerk“) erhoffe.

Wie sah es bei euch denn im letzten Jahr aus? Wie würdet oder habt ihr die Fragen der #BSBP17 beantwortet?

 Alles Liebe,
Charlotte

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